Silvia's Kräutergenuss

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Juli 2018 - Frauenmantel

Alchemilla vulgaris

Es gibt kaum etwas Anmutigeres als das handförmige Blatt des gemeinen Frauenmantels!
Die feinen Zacken des Blattrandes tragen Perlen, die nicht etwa der Tau hinterlassen hat, sondern die durch das Schwitzen der Pflanze entstanden sind. Die Alchemisten des Mittelalters sammelten sie, gaben ihnen den Namen „ Himmlisches Wasser“ und verwendeten es bei ihrer Suche nach dem Stein der Weisen um mit dessen Hilfe Gold herzustellen. Daher kommt auch der allgemeine Name Alchimistenkraut, den man auch noch Löwenfuss, Frauenbiss, Sinau, Sonnentau, Wiesensinau oder Tauhaltauf nennt. Schon die Druiden begehrten dieses "Pflanzenwasser", denn es diente ihnen zur rituellen Reinigung bei kultischen Handlungen.
Wuschen sich die Frauen im Sommer mit dem Tau, der sich in den Blättern gesammelt hatte, das Gesicht, sollte dies die Sommersprossen vertreiben. Nehmen wir ein Tröpfchen von diesem köstlichen Wasser, so soll es unsere Weisheit fördern. Viele seiner Volksnamen beziehen sich auf diesen Tropfen der die Pflanze so reizvoll macht.

Er war Freyja, der Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit geweiht und wurde regelmässig gesammelt und bei Liebes- und Fruchtbarkeitsritualen verräuchert, besonders an Maria Himmelfahrt.
Die mantelartigen Blätter verglich man mit dem Umhang der Maria. Daraus entstand der Name Frauenmantel. Die Beziehung zum Weiblichen finden wir in zahlreichen Namen für die Pflanze: Frauenhilf, Frauenrock, Marienmantel, Muttergottesmäntelchen.
Er galt in vielfacher Hinsicht als Jungbrunnen und sollte vor dunklen Mächten schützen. Er wird bei Liebeszaubern und als Bestandteil magischer Kräutersäckchen verwendet.
Die Lieblingspflanze der Alchimisten muss viele heilende Tugenden haben.

Mességué (französischer Naturarzt) beschreibt den Frauenmantel und besonders seine Wurzel, als guten Dienstleister gegen Blutungen und Darmbeschwerden, als Harntreibemittel und als Magenfreund. Besonders Frauen finden hier das Heilmittel für ihre zahlreichen Beschwerden, angefangen von Weissfluss bis zu Uterusschmerzen, Schwindelgefühle während der Schwangerschaft und Verletzungen, die gelegentlich beim Gebären entstehen. Maria Treben empfiehlt bei allen Frauenleiden eine Teekur aus Frauenmantel und Schafgarbe, zu gleichen Teilen gemischt, über
4 Wochen getrunken. Hildegard von Bingen verwendete Frauenmantel, um Geschwüre und offene Wunden zu heilen. Darauf weist auch der Name „Ohmkraut“ von altdeutsch Ohm = Wunde hin. In der Volksmedizin ist Frauenmantel bis heute als „Frauenheilkraut“ bekannt. Paracelsus hat es für die Wundheilung und gegen Entzündungen eingesetzt. Die entzündungshemmende Wirkung wird auf die hohen Anteile von Gerbstoffen zurückgeführt. Als Tee zubereitet hilft er bei Wasserverhalten und Fettleibigkeit und bessert die Zuckerkrankheit. Im Absud in Bädern zur äusserlichen Anwendung wirkt er als Wundvernarbungsmittel, gegen Bindehautentzündung und oberflächliche Infektionen des Genitalapparates. Äusserlich aufgelegt, gut zerquetscht, heilt er Wunden, Stiche und Schnitte. Er beruhigt die Nerven und gibt gesunden Schlaf. Kräuter Pfarrer Künzle sagt, dass viele Frauenoperationen bei frühzeitiger und kurmässiger Anwendung vermieden werden könnten. Und dass Kinder, die trotz guter Kost, schwache Muskeln haben, erstarken bei regelmässigem Gebrauch des Tees. Die vielseitige Pflanze wird zur Behandlung von hormonell bedingten Beschwerden wie Wechseljahresproblemen, Menstruationsbeschwerden, aber auch Impotenz empfohlen. Pflanzliche Hormone sollen für diese Wirkung sorgen. Auch als Mittel während der Rekonvaleszenz, nach einer Entbindung oder bei Unterleibsbeschwerden hat das Kraut eine lange Tradition. Frauenmantel wirkt zusammenziehend und krampflösend. Als Mittel zur Blutreinigung und bei Stoffwechselstörungen geniesst er einen guten Ruf. Besonders empfohlen wird ein Tee aus Frauenmantel und wilden Stiefmütterchen jungen Mädchen, die unter Hautunreinheiten leiden. Tee als Mundspülung und Gurgelmittel bei Entzündungen und Halsschmerzen, Kehlkopfentzündung und zur Wundheilung nach dem Zahnziehen, zur Scheidenspülung oder als Sitzbad bei Ausfluss und Entzündungen, als Waschlösung bei entzündeten Augen, eiternden Wunden und Ekzemen.
Blätter und Blüten werden von Mai – Juli gesammelt. Die kleinen, blassgrünen Blüten dieser Gattung besitzen keine Blumenblätter. Man kann es gut in der Sonne trocknen. 

Als Apéro eignet sich der Frauenmantel ebenfalls, frische junge Blätter können im Bierteig ausgebacken werden oder man bereitet Frischkäse gemischt mit anderen Wild-Gartenkräutern und gibt einen Esslöffel in das Innere des Frauenmantel und dekoriert es mit Blüten.

Die zarten jungen Blätter können Salaten oder Kräutersuppen zugefügt werden. Man kann ihn auch als Erfrischungsgetränk benutzen Äpfel, Birnen oder Kirschen können mit kaltem Frauenmantelwasser vermischt werden. Der Frauenmantel wird zunächst gekocht und anschließend gekühlt.
Botanisch ist er ein Rosengewächs und ist in ganz Europa heimisch, er bevorzugt Standorte an Bachufern, in Wäldern, an Waldrändern und auf feuchten Wiesen. Mittlerweile hat er sich zu einer beliebten Gartenstaude entwickelt. Er kann bis zu 50 cm hoch werden. Verwandt ist er mit dem lieblichen Silbermantel (Alchemilla alpina). Der vorwiegend in Gebirgen anzutreffen ist.

(dieses Bild stammt aus Quelle: Google)

 

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