Silvia's Kräutergenuss

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Mai 2018 - Waldmeister

Galium odoratum

Nun wird es Zeit für eine Maibowle!
Der Waldmeister wird am besten kurz vor dem Erblühen gesammelt, weil dann das Aroma besonders intensiv ist. Nach dem Sammeln empfiehlt es sich ihn einige Stunden zu trocknen oder besser über Nacht. So entfaltet sich noch ein intensiverer Waldmeister-Geschmack. Wer nicht solange warten kann, legt die Stängel einfach für eine halbe Stunde ins Gefrierfach. Ist er getrocknet/welk gibt man entweder die einzelnen Blätter in die Bowle oder hängt das Kraut samt Stielen Kopf über in das Bowlegefäss und deckt dies ab. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Stielenden nicht mit dem Weisswein in Berührung kommen, denn diese können die Maibowle bitter machen. Eine 1/2 bis 2 Stunden sollte der Waldmeister im Wein ziehen, dann wird er wieder entfernt. Nach Belieben kann der Bowle nun eine weitere Flasche Wein, Erdbeeren, Zitronen- oder Orangenscheiben hinzugefügt werden. Auch Blätter und Blüten von Erd- oder Johannisbeeren werten die Maibowle optisch auf. Lavendel, Estragon, Salbei oder Minze verleihen zusätzlichen Geschmack. Kurz vor dem Servieren wird die Maibowle mit einer eisgekühlten Flasche Sekt aufgefüllt. Damit Kinder auch in den Genuss einer solch herrlichen Bowle kommen, kann man Apfelsaft und als Ersatz für den Sekt ein sprudelndes Mineralwasser nehmen.
Für die meisten Rezepte der Maibowle werden drei Stängel pro Liter Flüssigkeit empfohlen, da sich im Waldmeister Cumarin befindet. Eine zu hohe Konzentration von Cumarin kann leicht giftig sein und zu Kopfschmerzen führen oder zu Übelkeit und Schwindel.
In drei Stängel sind bis zu 10 Milligramm Cumarin, die aus ca. 3 Gramm getrockneter Pflanzen herausgelöst werden. Nach neuesten Erkenntnissen stellen sich die unliebsamen Nebenwirkungen der Maibowle aber erst ab 500 Milligramm Cumarin ein, man bräuchte also eine ganze Menge Waldmeister, um mit einer gesundheitsschädlichen Wirkung rechnen zu müssen. Wer trotzdem schon einmal Kopfschmerzen von einer Maibowle bekommen hat, hat vielleicht zu viel davon getrunken.
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Bekannt war seine leicht schmerzstillende und beruhigende Wirkung, die Benediktinermönche im 9. Jahrhundert zu Getränkerezepten veranlasste. Es gibt ein Dokument aus dem Jahr 854, in dem ein Mönch von einem „Maiwein“ spricht, der mit Waldmeister angereichert wurde – der Vorläufer der heute bekannten Maibowle. Auch Umschläge von frisch zerquetschtem Kraut auf die Schläfe gegen Kopfschmerzen sind überliefert. Kräuterpfarrer Künzle erwähnt, dass er das Herz stärke und die Leber reinigt. Gut gedörrter Waldmeister ist eine gute, aromatische Tabakbeimischung zusammen mit gedörrten Huflattich- und Minzenblättern. Aber auch in Limonaden, Sirup, Cocktails, Likör, Götterspeisen (wer denkt hier nicht an seine Kindheit, diese kräftig grüne Farbe, die sehen wir beim selbst gemachten nicht, dafür ist zugefügter Farbstoff verantwortlich), macht er sich gut.

Der Waldmeister gehört zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) und bevorzugt lichte Buchenwälder mit humosen, feuchten Böden. Er wächst gerne im Unterholz in grossen Gruppen, wird ca. 10-30 cm hoch und ist an den aufrechten vierkantigen Stängeln mit 6-8 gleich grossen Blättern bestückt, die an einen Quirl oder Stern erinnern. Von Mai bis Juni trägt er kleine weisse Blüten und ist optisch mit seinem Verwandten dem  „Weissen Labkraut“ (Galium album) zu verwechseln. Zerreibt man jedoch die Blätter mit den Fingern ist er an seinem süssen Duft und einer leichten Heunote zu erkennen.

Dann sage ich mal zum Wohle!

 

 

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